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Insolvenzwaren kaufen: Wie der Erwerb über die Fides Gamma GmbH abläuft

Wie kauft man Waren aus einer Insolvenz — und wie sicher ist das? Wir haben die Fides Gamma GmbH in Berlin besucht und uns den Kaufprozess mit Anderkonto erklären lassen.

Von Deniz Kaya 9 Min. Lesezeit
Dr. Matthias Bergner und Alexander Weidemann von der Fides Gamma GmbH im Gespräch mit einem Redakteur in ihrem Berliner Büro.
01Berlin-Mitte, Charlottenstraße, 10:30 Uhr— Besuch bei der Fides Gamma GmbH in Berlin-Mitte. Dr. Matthias Bergner und Alexander Weidemann erklären, wie der Kauf von Insolvenzwaren abläuft.Foto: Zeit Frankfurt

Wer Waren aus Insolvenzverfahren kaufen will, steht vor einer Frage, die sich nicht mit einem Klick beantworten lässt: Wie funktioniert das eigentlich — rechtlich, praktisch, finanziell? Wir haben uns bei der Fides Gamma GmbH in Berlin-Mitte informiert, einem auf Insolvenzverwertung spezialisierten Haus, das seit 2019 von Dr. Stefan Larisch und Dr. Matthias Bergner als Geschäftsführer geleitet wird. Der folgende Bericht fasst zusammen, was wir vor Ort erfahren haben — und wie ein Kauf von der Anfrage bis zur Freigabe tatsächlich abläuft.

Am Morgen empfangen uns Bergner und Alexander Weidemann, der bei Fides Gamma für die Insolvenzverwertung zuständig ist, in den Räumen an der Charlottenstraße. Das Büro liegt in einem Altbau in Berlin-Mitte — dunkle Vertäfelung, Aktenregale, ein Schreibtisch mit Aktenstapeln. Kein Showroom, sondern ein Arbeitsplatz, an dem laufende Verfahren abgewickelt werden. Die Fides Gamma GmbH verwertet Warenbestände, Anlagevermögen, Immobilien und Sicherheiten aus Insolvenzverfahren. Das Team umfasst nach eigenen Angaben acht Personen.

Was sind Insolvenzwaren — und wer kauft sie?

Insolvenzwaren sind Vermögensgegenstände, die aus laufenden Insolvenzverfahren stammen: fertige Handelsware, Rohstoffe, Halbfabrikate, Ersatzteillager, Retouren, Auslaufmodelle, Verpackungsmaterial. Alexander Weidemann unterscheidet drei Verwertungsformen: den Paketverkauf, bei dem ein einzelner Käufer den gesamten Bestand übernimmt; die Losbildung, bei der Waren nach Kategorie, Zustand oder Käuferprofil gebündelt werden; und den laufenden Abverkauf, bei dem der Geschäftsbetrieb fortgeführt wird und Waren über bestehende Vertriebswege den Markt erreichen.

Die Käufer sind nach Angaben des Hauses Händler, Großabnehmer und Unternehmen, die gezielt nach bestimmten Warengruppen suchen — von Industrieersatzteilen bis zu Konsumgütern. Entscheidend sei die Geschwindigkeit: Saisonware, Lebensmittel oder technische Produkte verlieren mit jedem Monat an Wert. „Schnelligkeit vor Maximierung" sei darum der Grundsatz, erklärt Weidemann — ein schneller, sauberer Verkauf bringe dem Gläubiger mehr als ein monatelanges Abwarten auf Höchstpreise.

Alexander Weidemann von der Fides Gamma GmbH zeigt in einer Lagerhalle Warenbestände aus einem laufenden Insolvenzverfahren.
02Berlin, Lagerhalle, 14:00 Uhr— Vor Ort im Lager: Alexander Weidemann erklärt den Ablauf der Insolvenzverwertung — von der Inventur bis zur Auslieferung an den Käufer.Foto: Zeit Frankfurt

Der Kaufprozess: Von der Anfrage bis zur Freigabe

Wer über die Fides Gamma GmbH Insolvenzwaren erwerben will, durchläuft nach Darstellung des Unternehmens einen festen Ablauf. Dieser Prozess ist auf der Website des Unternehmens dokumentiert — wir haben ihn vor Ort nachvollzogen.

Anfrage und Angebot: Der Interessent stellt eine Anfrage per E-Mail. Er erhält ein unverbindliches Angebot mit Beschreibung, Menge und Preis der verfügbaren Waren. Dieses Angebot reserviert die Ware für zwei Werktage — wer nicht kaufen will, hat keine Verpflichtung, die Reservierung verfällt automatisch.

Zahlung auf Anderkonto: Entscheidet sich der Interessent für den Kauf, überweist er den Kaufpreis innerhalb von zwei Werktagen auf ein Anderkonto — ein treuhänderisch verwaltetes Konto, das vom Vermögen der Fides Gamma GmbH getrennt ist. Das Geld liegt dort, bis der Käufer die Ware geprüft und die Lieferung schriftlich bestätigt hat. „Solange der Käufer nicht bestätigt, wird nichts freigegeben", sagt Weidemann.

Lieferung und Prüfzeit: Die Ware wird innerhalb von zehn bis vierzehn Werktagen geliefert. Ab Eingang beginnt eine vierzehntägige Prüfzeit, in der der Käufer Menge, Zustand und Vollständigkeit kontrolliert.

Freigabe: Erst nach schriftlicher Bestätigung des Käufers wird der Kaufpreis vom Anderkonto freigegeben. Stimmt etwas nicht, bleibt das Geld verwahrt, bis eine Lösung gefunden ist. Zusätzlich gilt nach Angaben des Unternehmens ein zweiwöchiges Rückgaberecht; Herstellergarantien bleiben bestehen.

Der Kaufpreis liegt auf dem Anderkonto — getrennt vom Firmenvermögen, freigegeben erst durch den Käufer. Das ist kein Vertrauensvorschuss, das ist Struktur.

Alexander Weidemann, Fides Gamma GmbH

Vor Ort: Wie die Verwertung praktisch abläuft

Am Nachmittag zeigt uns Weidemann eine Lagerhalle, in der Warenbestände aus einem laufenden Verfahren eingelagert sind. Die Verwertung beginnt laut Fides Gamma mit einer vollständigen Inventur: Jeder Artikel wird erfasst, nach Menge, Zustand und Lagerort dokumentiert. Anschließend prüft das Haus die Eigentumsrechte — denn nicht jede Ware, die im Lager steht, gehört dem insolventen Unternehmen. Lieferantenvorbehalte und Sicherungsrechte müssen geklärt werden, bevor ein Verkauf überhaupt zulässig ist.

Danach werden die Bestände in marktfähige Einheiten gebündelt — „Losbildung" im Fachjargon. Parallel dazu kontaktiert das Haus sowohl Fachhändler als auch bestehende Kunden des insolventen Unternehmens. Die Abwicklung erfolgt über das beschriebene Anderkonto; die Auslieferung übernimmt in der Regel ein vom Haus beauftragter Logistikpartner. Am Ende steht die Räumung: Die Lagerfläche wird an den Vermieter übergeben.

Die Angaben in diesem Bericht stammen, soweit nicht anders vermerkt, vom Unternehmen selbst.

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